Was ist Zoho eigentlich, und was hat sich seither verändert?
Ein Blick auf Zahlen und Meilensteine, vom Start als AdventNet bis zur heutigen Suite mit mehr als 45 Anwendungen.
Wer zum ersten Mal mit Zoho in Berührung kommt, hört meistens dieselbe kurze Antwort. Eine Software-Suite, die viel kann und wenig kostet. Das stimmt, erklärt aber wenig darüber, warum ausgerechnet dieser Anbieter für ein Schweizer KMU heute eine echte Alternative zu Salesforce, HubSpot oder einer Sammlung einzelner Insellösungen sein soll. Die Antwort liegt weniger in einer einzelnen Funktion als in der Entwicklung des Unternehmens selbst. Zoho von heute unterscheidet sich deutlich von dem Zoho, das vor zehn Jahren existierte, sowohl in der Grösse der Suite als auch in der Zahl der Nutzerinnen und Nutzer. Dieser Wandel lässt sich anhand nachprüfbarer Zahlen erzählen statt anhand von Werbeversprechen, und genau das versucht dieser Artikel zu tun.
Woher kommt Zoho eigentlich?
Gegründet wurde das Unternehmen 1996 unter dem Namen AdventNet, zunächst mit Fokus auf Netzwerk-Management-Software für Firmenkunden. Den heutigen Namen trägt es erst seit dem 27. Mai 2009. An diesem Tag kündigte das Unternehmen in einem eigenen Blogbeitrag die Umbenennung von AdventNet Inc. zu Zoho Corporation an, passend zur wachsenden Zahl an Online-Anwendungen, die zu diesem Zeitpunkt bereits den grösseren Teil des Geschäfts ausmachten.
Formal wurde AdventNet in New Jersey gegründet, den grössten Teil seines Betriebs führt das Unternehmen aber seit jeher von Chennai in Indien aus, wo heute auch der operative Hauptsitz liegt. Zoho Corporation beschäftigt nach eigenen Angaben und laut Wikipedia-Eintrag mittlerweile mehr als 18'000 Personen und ist die Muttergesellschaft mehrerer Marken. Bekanntestes Beispiel ist ManageEngine, ein im IT-Management verbreiteter Anbieter, den viele Unternehmen nutzen, ohne die Verbindung zu Zoho zu kennen. Zoho One, um das es in diesem Artikel geht, ist die Business-App-Suite der Kernmarke Zoho, nicht das gesamte Firmengeflecht dahinter.
Bemerkenswerter als das Gründungsjahr ist, wie das Unternehmen seither gewachsen ist. Nach eigenen Angaben hat Zoho nie Geld von externen Investoren angenommen. Für ein Softwareunternehmen dieser Grösse ist das selten. Die meisten vergleichbaren Anbieter finanzierten ihr Wachstum jahrelang über Risikokapital, bevor sie überhaupt profitabel arbeiteten.
Wie wurde aus einzelnen Programmen eine Suite?
Lange Zeit war Zoho vor allem eine wachsende Sammlung einzelner Produkte. Ein CRM hier, ein Rechnungsprogramm dort, jedes für sich brauchbar, aber nicht zwingend aufeinander abgestimmt. Der Wendepunkt kam am 25. Juli 2017 mit dem Launch von Zoho One. Im eigenen Ankündigungsbeitrag beschrieb Zoho das neue Produkt als eine Suite mit mehr als 35 Web-Anwendungen und ungefähr ebenso vielen mobilen Apps, erreichbar über einen einzigen Zugang.
Genau das steckt hinter dem Begriff Single Sign-on. Man meldet sich einmal an und hat Zugriff auf alle Anwendungen, ohne sich für jedes Programm neu einzuloggen. Aus einer Liste von Einzelprodukten wurde damit zum ersten Mal ein durchgängiges System.
Wo steht Zoho heute, und was bedeutet das für Sie?
Neun Jahre nach dem Start von Zoho One hat sich die Zahl der Anwendungen deutlich vergrössert, auf mittlerweile mehr als 45. Auch die Nutzerzahl ist über Jahre gewachsen statt über Nacht entstanden. 2019 waren es rund 50 Millionen, 2020 wurde die 60-Millionen-Marke überschritten, 2023 folgten zunächst 90 und schliesslich über 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzer weltweit.
Für Schweizer Unternehmen zählen daneben zwei weitere Punkte. Zoho betreibt seit 2016 eigene Rechenzentren in den Niederlanden und in Irland, seit 2019 zusätzlich in Australien. Seit 2017 ist das Unternehmen nach ISO 27001 zertifiziert, einer international anerkannten Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme, die von unabhängigen Stellen geprüft wird und damit mehr ist als ein Werbeversprechen. Seit 2018 richtet sich Zoho zudem aktiv auf die europäische Datenschutzgrundverordnung aus, mit weiteren Zertifizierungen in den Jahren danach.
Wenn Kundendaten aus Ihrem Betrieb künftig in Zoho landen, verlassen sie die Schweiz zwar in Richtung EU, bleiben dort aber unter denselben strengen Regeln, an die sich auch europäische Anbieter halten müssen. Für viele Geschäftsleitungen ist das die erste Frage, sobald ein neues System zur Debatte steht, oft noch vor der Frage nach Funktionen oder Preis.
Was in diesen mehr als 45 Anwendungen konkret steckt, lässt sich grob in fünf Bereiche einteilen. Vertrieb und Kundenbeziehung, Finanzen und Rechnungswesen, Projekte und Zusammenarbeit, Kundenservice sowie Auswertung und Automatisierung. Ein Unternehmen muss nicht alle fünf Bereiche gleichzeitig nutzen. Der Vorteil liegt darin, dass sie bei Bedarf ohne zusätzliche Schnittstelle zusammenspielen, weil dieselbe Datenbasis dahinterliegt.
Warum ist die Kombination aus junger Suite und stabilem Unternehmen selten?
Ein Unternehmen ohne Investoren im Rücken muss niemandem einen schnellen Exit oder eine Quartalszahl liefern. Es kann Funktionen langsamer, dafür durchdachter entwickeln und hat weniger Druck, gebundene Kundschaft plötzlich mit happigen Preiserhöhungen zu überraschen.
Die meisten Anbieter müssen sich für eines von beidem entscheiden. Entweder für die Stabilität eines alteingesessenen Unternehmens mit entsprechend gewachsener, teils sperriger Technik, oder für die Frische eines jungen Anbieters, dessen Zukunft noch offen ist. Zoho bringt beides zusammen. Die Suite selbst ist jung, das Unternehmen dahinter nicht.
Für die Kaufentscheidung eines KMU heisst das etwas sehr Konkretes. Ein Wechsel des Kernsystems bindet ein Unternehmen erfahrungsgemäss für mehrere Jahre, oft länger als ursprünglich geplant. Wer in dieser Zeit auf einen Anbieter setzt, der weder von einem Investorenexit noch von veralteter Technik abhängig ist, reduziert damit ein Risiko, das sich in Vertragsverhandlungen selten beziffern, aber langfristig deutlich spüren lässt.
Fazit
Wie sich Zoho in den kommenden Jahren weiterentwickelt, lässt sich nicht vorhersagen. Ablesen lässt sich aber schon heute, dass ein Anbieter, der seine Entwicklung seit drei Jahrzehnten selbst finanziert, in einem anderen Tempo und mit anderen Prioritäten entscheidet als ein Start-up unter Investorendruck. Wer ein System für die nächsten Jahre auswählt, wählt damit auch eine Geschwindigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Ist Zoho auch für kleine Schweizer Unternehmen geeignet, oder eher für grosse Konzerne gemacht?
Zoho positioniert sich ausdrücklich für kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie für grössere Organisationen. Einzelne Apps aus der Suite lassen sich unabhängig von der Firmengrösse zubuchen.
Wie viele Anwendungen umfasst Zoho One aktuell?
Mehr als 45 Anwendungen, Stand 2026, von der Kundenverwaltung über die Buchhaltung bis zum Projektmanagement.
Wo liegen die Daten von Kundinnen und Kunden in Europa?
Zoho betreibt eigene Rechenzentren in den Niederlanden und in Irland. Seit 2019 kommt ein Standort in Australien dazu.
Seit wann gibt es Zoho One?
Seit Juli 2017. Zum Start umfasste die Suite gut 35 Web-Anwendungen, heute sind es mehr als 45.
Nimmt Zoho Geld von Investoren an?
Nein. Nach eigenen Angaben hat Zoho seit der Gründung 1996 nie externes Investorenkapital angenommen.
Wie können wir Sie unterstützen?
Wenn Sie herausfinden möchten, ob Zoho zu Ihrem Unternehmen passt, begleitet Batix Sie von der ersten Einschätzung bis zur Einführung.
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